Das Ende von Mass Effect aus einem philosophischen Blickwinkel

Nach dem sich die Wogen der Aufregung über das Ende von Mass Effect 3 nicht glätten wollen und einerseits über die Indoktrinationstheorie aber auch die Möglichkeit eines schlichtweg verhunzten künstlerischen Endes diskutiert werden, frage ich mich, wie denn die Überlegungen aus etymologischer, bzw. eher aus philosophischer Sicht sein könnten, die das Ende womöglich erklären könnten? Meine kaum strukturierten Gedanken dazu möchte ich euch nicht vorenthalten:

Zwei Elemente entscheiden über den Ausgang der Geschichte und bedürfen deshalb einer genaueren Betrachtung. Der Tiegel und der Katalysator.
Wir haben also einerseits ein „Crucible“, was sich mit (Schmelz)Tiegel, (aber auch mit „Feuerprobe“) übersetzen lässt. In einem Tiegel werden verschiedene Materialien verschmolzen. Im Falle von Mass Effect könnte das also die Verschmelzung von organischen und synthetischen Leben bedeuten, was ja ein erklärtes Ziel der Reaper ist. Es könnte aber auch die Vereinigung vieler Völker bedeuten, welche ja notwendig ist, um den Tiegel überhaupt erst zu bauen.
Ein Katalysator leitet chemische Prozesse ein, beschleunigt sie, oder lenkt diese.Hierbei hätten wir zumindest Entsprechungen für die zuletzt gebotenen drei Möglichkeiten: Zerstörung der Reaper und damit Einleitung einer Post-Zyklus Zeit, Beschleunigung im Sinne der Synthese, welche ja eigentlich auch von den Reapern vorangetrieben wird und die Lenkung des Prozesses, entsprechend der Option Kontrolle über die Reaper ausüben zu wollen.Wir wissen nicht, woher die Citadel, die Reaper und der Plan des Tiegel stammen, jedoch wissen wir, dass sie einen Zusammenhang besitzen. Da die Herkunft nicht näher erläutert wird, können wir vielleicht auch davon ausgehen, dass diese eigentlich auch keine Rolle spielt. Themen, die jedoch häufig im Spiel aufgegriffen werden sind die nach der Richtung von Evolution und der Definition von Leben. Die Heilung der Genophage wird als Chance auf Evolution angesehen und auch die mögliche friedliche Evolution von Synthetischen wie Geth aber auch EDI zu lebendigen Wesen und friedlichen Koexistenzen, spielen eine wichtige Rolle.

Ist der Tiegel also ein Sinnbild dafür, dass alles lebendige vereint wird, um über das Schicksal des Lebens weiter zu entscheiden? Im ME Zyklus vereint der Tiegel die Kraft vieler verschiedener Völker und kommt dabei weiter, als es die Protheaner schafften, welche eben keine Vielfalt mehr hatten, sondern der Galaxie ihre eigene Überlegenheit mit Gewalt einprägten. Somit kommt man zur Überlegung, dass die Homogenisierung allen Lebens zu seiner Vernichtung führt. Da auch die Evolution endet, sobald alles Leben gleichförmig ist.

Der Katalysator in seiner Einleitungs-, Beschleunigungs- und Lenkfunktion findet seine Verkörperung in Shepard, der letztlich das Schicksal der Evolution einleitet, beschleunigt und lenkt. In allen Teilen vereint man Völker. Man lenkt das Schicksal von Zivilisationen und am Ende der Geschichte entscheidet man die dahinterstehenden Überlegungen mit einer Entscheidung zwischen Kontrolle, Synthese oder Chaos.

Wie geht man also am besten mit dem Leben um? Versucht man es zu kontrollieren, so wie die Genophage die Kroganer kontrollieren sollte? Wählt man die Synthese indem man die Unterschiede des Lebens einfach auf ein Maß stutzt wie die Reaper, um nichts empor wachsen zu lassen, aber auch den kleinen Wüchsen Platz zu lassen, oder überlässt man die Entwicklung des Lebens dem Chaos und lässt darwinistisch die Geeignetsten sich durchsetzen, was jedoch wohl früher oder später wieder zur Entwicklung einer überlegenen synthetischen Lebensform führt und sich die Geschichte womöglich wiederholt?

Vielleicht geht es gar nicht so sehr darum, wer die Reaper sind und wieso ein KI-Kind auf der Citadel wohnt, sondern es geht um die Frage nach dem Leben an sich?

Philosophisch würde dann vielleicht auch die Szene mit der Normandy in dieses Schema passen, da die Antwort immer die gleiche ist: Egal wie man versucht, mit dem Leben umzugehen, kann man seine Entwicklung und Entfaltung nicht beenden. Joker, als vermeintlich schwaches Wesen (Glasknochenkrankheit) setzt sich dennoch durch, weil es über geeignete Überlebensqualitäten verfügt (in diesem Fall überragende Flugkünste) und der Umstand, dass auch die zwei letzten Begleiter Shepards überleben (bzw. die Liebesbeziehung und ein Begleiter) deutet vielleicht darauf hin, dass deren Qualitäten als Schlüssel zum Überleben angesehen werden können. Da ist die Botschaft vielleicht, dass Anpassungsfähigkeit, soziale Bindung und Kooperation der Schlüssel zum Überleben sind – und das Überleben letztlich dadurch symbolisiert wird, dass in entfernter Zukunft ein Opa seinem Enkel eine Geschichte über das Leben erzählen kann?

Vielleicht ist die Geschichte von Mass Effect also auf der Metaebene eine Geschichte über Evolution und Überleben und bietet somit wie das Leben an sich keine tiefere Moral, bzw. einen Sinn. Sondern es bleibt bei der simplen Wahrheit, dass Leben blüht, aber auch vergeht. Und so wie wir unser Dasein dem Umstand verdanken, dass ein Meteorit gewaltsam die Dinosaurier vernichtete. Nur durch den simplen Umstand, dass kleine Säugetiere, die vormals nur unten in der Hackordnung wahren, sich durchsetzen konnten, da sie über die gerade  am geeignetsten Fähigkeiten verfügten – es eine Spezies wie uns gibt. Die letztlich nur durch Liebe und Kooperation sich weiter entwickeln können wird. Ist das vielleicht das künstlerische Ende, auf dem die Schreiber bei Bioware beharren?
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Ein Gedanke zu „Das Ende von Mass Effect aus einem philosophischen Blickwinkel

  1. Rüdiger Wilhelm sagt:

    Ich hoffe bloss das kein BioWare-Mitarbeiter über deine interessanten Ausführungen stösst, sonst zweckentfremden sie diese vielleicht zum Selbstschutz! Ich bezweifle, dass sie all dies so gut durchdacht hatten…

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