Immer zweimal mehr wie du – oder wie sich Religion selbst widerlegt

„Deus lo vult!“ – „Gott will es!“ sollen die Zuhörer gebrüllt haben, als Papst Urban II 1095 zum ersten Kreuzzug aufgerufen hat. Wer will da verneinen? Gott will es und wer ist man, sich dem zu widersetzen, wenn der Oberboss verkünden lässt, dass er lieber einen Haufen Weißbrote in Blechbüchsen ins gelobte Land schickt, um da ein paar Typen mit dunklerem Teint zu massakrieren, als selbst mal eben Pech und Schwefel regnen zu lassen und mit donnerhallender Stimme von oben zu verkünden, dass sich die Anhänger einer alternativen Auslegung seines Willens mal verpieseln sollen? Ist ja nicht das erste mal, dass sich Menschen aufmachen, den Willen mit Macht durch zu setzen, den dieser Gott wohl dem ein oder anderen von uns auf recht mysteriöse Art und Weise ins Ohr geflüstert hat. Wenn man sich die lange Historie göttlicher Eingebungen ansieht, dann sind es genau 100% der Fälle, in denen sich der feine Herr Gott nicht selbst auf die Socken macht, um das zu erledigen, was er so vorhat. Gottes Wille war schon immer unser Befehl.

Aber wieso eigentlich? Wenn man sich die Definition der großen monotheistischen Weltreligionen so ansieht, dann könnte einem doch auch auffallen, dass entscheidende Grundpfeiler dieser Vorstellung auf ziemlich wackligen Boden stehen. Gott ist allmächtig erfährt man da. Gott hat das Universum geschaffen, kriegt alles mit, sieht alles und hat alle furchtbar lieb, die der ein oder anderen Auslegung seines Willens folgen. Wenn es um diesen geht, dann gibt es nur Maxime und wer ihn zu überbieten versucht, bekommt von ihm ein „Immer zwei mal mehr wie du!“ mit Ätschibätsch zu hören. Nun gut. Aber was bedeutet das für die Religionen, die ihn und seinen Willen beschreiben? In diesen geht man davon aus, dass Gott über allem steht und während die Welt in geraden Zahlen zählbar wäre, legt er die Acht aufs Kreuz und geht auf unendlich. Dieser Idee folgend, ist doch auch alles was wir von ihm zu wissen meinen im Vergleich nicht mehr die Rede wert, da wir nach wie vor zählbar bleiben und er uns mit 1 geteilt durch unendlich in unserer Aussagekraft atomisiert. Auf der einen Seite wird postuliert, dass nichts über ihm stehen kann und doch stellen sich manche unter uns auf den Schemel und maßen sich an, zu wissen, was Gott will. Ist das nicht lächerlich? Qua Definition ist Gott doch der größte , dem keiner das Wasser reichen kann. Wenn wir schon nicht einmal groß genug sind, über die Kanten seiner Schuhsohlen zu gucken und seine Hosenbeine nicht einmal bis zum Knie sehen können, da diese erst weit über den Wolken ruhen, wie kann man sich da anmaßen zu sagen, man wüsste wie dieser Riese so tickt?

Viel schlimmer noch: wie kann man sich dem hingeben und strikte Anweisungen befolgen, von Leuten, die vor tausenden Jahren meinten, diesen Gott verstanden zu haben und genau zu wissen, dass er es zum kotzen findet, wenn wir Sonntags nicht seine Lieder singen, Samstags mehr als tausend Schritte gehen oder uns die Vorhaut nicht haben abpellen lassen? Versteht mich nicht falsch. Hier geht es nicht darum, dass ich Ressentiments gegen Christen, Juden oder Moslems hätte. Mir geht es hier um das große Ganze. Der Mensch stößt permanent gegen seine eigenen Grenzen und fing irgendwann mal damit an, alles was dahinter liegt, ins göttliche auszulagern. Wo früher mal der ungeduschte Nordeuropäer dachte, Blitz und Donner wären das Ergebnis eines blonden Typen, der mit seinem Hammer spielt, sucht man heute eben das Gottesteilchen, indem man Hadronen mit annähernd Lichtgeschwindigkeit aufeinander knallen lässt und das Blitzchen danach unter die Lupe nimmt. Je mehr wir verstehen, um so mehr verstehen wir nicht – und Gott ist dann immer noch zweimal mehr wie das. Immer.

Wenn wir also gläubiger Christjudemoslemwhatever sind dann behaupten wir einerseits, dass Gott in allem unendlich ist und helfen uns beizeiten bei Unverständnis mit der Erkenntnis aus, dass seine Wege unergründlich sind – und dennoch behaupten wir, zu wissen was er mag und was eben nicht. Ist eine ziemlich starke Behauptung, oder? Wenn eure Mütter schon mal versucht haben, euch zu Weihnachten einen schicken Pulli zu schenken, um dann doch wieder nur zerknirscht euch die Quittung zum Umtausch zu geben, da der eine Nummer zu klein ist und das Wollmuster selbst einem Salvador Dali zu wirr wäre, dann könnt ihr euch vielleicht vorstellen was ich meine. Diese Frau kennt euch. Sie hat euch gewickelt, als ihr euch in die Hose gekackt habt und sofort gerochen, dass ihr mit euren lausigen Kumpels geraucht und gesoffen habt, an dem Abend, an dem ihr eigentlich schon um elf hättet zu hause sein sollen. Diese Frau kennt euch. Selbst sie weiß jedoch nicht wirklich, was ihr mögt und was nicht. Wieso sollen dann ein paar Typen vor vielen Jahrhunderten und Jahrtausenden verstanden haben, was das, was wir Gott nennen mag und was nicht? Dennoch haben sie es aufgeschrieben und heute noch gibt es genug Leute, die andere dafür killen, wenn sie anderer Meinung sind, als die jeweiligen Anhänger der jeweiligen Interpretation des angeblichen Willens dieses Gottes.

Gerade als Anhänger Gottes sollte man doch einsehen, dass wir eben niemals verstehen können, was dieser wirklich im Schilde führt und resignierend unsere heiligen Schriften ins Regal mit all den anderen Büchern voller erfundener und wahrer Märchen stellen. In den seltenen Momenten, in denen wir begreifen, dass wir unser aller Zusammenleben besser und schöner organisieren können, da können wir uns gerne zusammensetzen und darüber diskutieren. Bei einem Konsens können wir das sogar zu unserem Regelwerk machen, wenn es uns in dieser Zeit weiterhilft. Aber wir sollten aufhören das göttliche in unseren albernen Riten und Ansichten zu behaupten, wenn wir es dennoch nie begreifen werden können.

Klar sehen wir Gott, wenn wir nachts zum Himmel hochsehen, oder wenn wir das schlagende Herz unseres Nachwuchs beim Ultraschall betrachten. Wir sehen ihn aber auch, wenn die Nachbarskatze auf den Rasen kackt, oder irgendwo in China ein Sack Reis stehen bleibt. Wahre Gottesfurcht sollte also darin bestehen, nicht behaupten zu wollen, dass man alles verstanden hat. Man sollte es gar ablehnen, denen zu folgen, die das von sich tun. 

tl;dr

Einerseits definieren Religionen Gott als absolut göttliches Wesen, auf der anderen behaupten so winzige Existenzen wie wir, dieses allmächtige, Universen erschaffende Superdingens in seinen Vorlieben und Geschmäckern verstanden zu haben und maßen uns damit selbst Göttlichkeit an, womit wir unser vorheriges Konzept Gottes widerlegen, da nur Gott sich selbst und all seine Absicht verstehen könnte, es aber nichts gibt, was größer oder gleich Gott ist. Somit sind auch all die Interpretationen seines Willens, egal in welchem Buch geschrieben zugleich wahr und falsch und sein wirklicher Wille in mehr als elf Dimensionen komplizierter.

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